Projektreise – Indonesien 2016

Seit Jahren stand auf unserer virtuellen Reisewunschliste ganz oben, an einer Projektreise von Fansfornature teilzunehmen. 2010 sahen wir im malaysischen Teil Borneos die Rodungen des Regenwaldes für den Palmölanbau und damit die einhergehende Ausrottung der Tierwelt. Überfliegt man den malaysischen Teil Borneos mit dem Flugzeug, sieht man ausschließlich Palmölplantagen. Wenn man bedenkt, dass Borneo mal komplett mit Regenwald bedeckt war, ist das ein erschreckendes Ausmaß. Kurz nach unserem Aufenthalt in Malaysia sahen wir im Fernsehen einen Bericht über ffn und wurden direkt Mitglied. Es liegt uns sehr am Herzen, dass diese phantastische Natur, bzw. das was davon noch übrig ist, für nachfolgende Generationen erhalten bleibt. Diese Reise war eine gute Möglichkeit mal zu schauen, welche Projekte unterstützt werden, auch mit unseren Spendengeldern. Und wir haben noch viel mehr bekommen. Wir wurden überall herzlichst aufgenommen, wurden bekocht, umsorgt, und wo Touristen nicht so oft durchkommen auch neugierig beäugt und immerzu gegrüßt.

Es war eine Überraschungsreise. Wir kannten das Reisedatum, das Reiseziel und hatten unsere Flüge gebucht. Am 13.2.2016 stiegen wir in Frankfurt ins Flugzeug, über Doha ging es nach Jakarta, der Hauptstadt Indonesiens, die auf der Insel Java liegt. Indonesien ist ein riesiges Land verteilt auf unzählige Inseln. In Jakarta wurden wir von einem tropischen Gewitter empfangen. Mit dem Taxi ging’s ins Hotel, am Eingang sind wir Helmut Huber in die Arme gelaufen und das Abenteuer konnte beginnen. Und jetzt im Nachhinein kann ich einfach nur sagen, es war Himmel und Hölle zugleich!

Am nächsten Morgen ging’s los nach Cikananga. Das ist eine Auffang- Station für beschlagnahmte Tiere. Ein Fahrer holte uns am Hotel ab, es ist unvorstellbar in Indonesien selbst Auto zu fahren. Erst kämpften wir uns durch den Stau von Jakarta, dann ging es weiter durch kleinere Orte und Teeplantagen. Wir konnten uns einen Eindruck der indonesischen Lebensweise verschaffen und sahen auch sehr viel Armut. Die Straße wurde immer abenteuerlicher und nach 7 Stunden Fahrt, inklusive Mittagspause erreichten wir die Station.

cicananga

Zwei junge holländische Frauen leiten aufopferungsvoll diese Auffangstation. Sie sind rund um die Uhr beschäftigt, viel Arbeit, kaum Freizeit für sehr wenig Geld. Vergnügungen wie Disco, shoppen usw. gibt es nicht, sie leben zu 100% für die Tiere. Hilfe haben sie von Leuten aus dem Dorf bei der Tierpflege, das Essen wird im Dorf gekocht, auch für uns, was richtig lecker war. Wer mal einen sinnvollen Urlaub verbringen möchte, kann auch als Volunteer mithelfen. In der Station leben 2 Orang Utans, Java- Leoparden, Malaienbären, verschiedene kleinere Affenarten, Vögel, Krokodile, Schildkröten, 2 Kängurus, wie auch immer die da hingekommen sind. Ein Babybär, der sehr gestresst war, denn eigentlich sollte er noch bei seiner Mutter sein. Zur Zeit wird ein Gibbon-Baby mit der Flasche aufgezogen. Das wollte eine Chinesin in ihrer Unterwäsche außer Landes schmuggeln. Das 2. Tier war schon tot. Sehr viele Slowloris wohnen in der Station, der Handel mit diesen Tieren scheint zu blühen. Sie werden auf Sumatra aus den Bäumen gepflückt, in kleine Käfige gestopft, was viele schon mal nicht überleben, weil sie sich nicht vertragen auf engem Raum. Dann werden sie mit Schiffen nach Java gebracht, verkauft oder beschlagnahmt.

Slowloris

So lange es Menschen gibt, die Wildtiere kaufen, wird es Menschen geben, die der Natur welche entnehmen. Je ärmer Menschen sind, desto größer die Bereitschaft mit illegalen Jobs die Familie durchzubringen. Wilemijn, eine der holländischen Frauen, hat uns abends an unserem Ankunftstag die Slowloris gezeigt. Die Tierchen sind nachtaktiv und wir haben mit Rotlichtlampen ihre Aktionen beobachtet. Den Baby- Gibbon durften wir auch kurz sehen, so süß und so traurig ohne Mutter aufzuwachsen. Am nächsten Morgen hat uns Wilemijn bei Tageslicht alle anderen Tiere der Station gezeigt. Die Brüllaffen waren nicht leise! Am Nachmittag durften wir beim wiegen, untersuchen und umsetzen der Slowloris zuschauen. Ganz schön bissig die kleinen Gesellen.

Slowloris_2

Die Station finanziert sich ausschließlich über Spenden und das Volunteerprogramm. Das Geld reicht nie für alles. Im Camp wohnten noch 3 Hunde und 3 Katzen, die auch gestreichelt und gefüttert werden wollen. Wir haben 2 Nächte im Gästehaus gewohnt, lernten die indonesische Dusche kennen und haben uns sehr wohl gefühlt. Sehr gern wären wir länger geblieben, aber wir wollten weitere Projekte besuchen. Am nächsten Tag ging’s zurück. Unser Fahrer holte uns wieder ab und die Fahrt dauerte bis zum Abend. Im Stau von Jakarta wurden wir im Auto unterhalten mit DVDs von Queen, Peter Gabriel… Der Fahrer hatte einen für uns überraschenden Musikgeschmack. Nach einer weiteren Nacht in Jakarta flogen wir nach Balikpapan auf Borneo. Abgeholt wurden wir von Hendra unserem Fahrer und Ishak, der sich auf Borneo um die Projekte kümmert, die von ffn unterstützt werden. Dr. Ishak Yassir hat in Holland Forstwirtschaft studiert, arbeitet für das indonesische Forstministerium und koordiniert für ffn die Projekte. In einem Land wie Indonesien braucht man dringend jemanden, der die Mentalität der Menschen kennt, mit Geld allein erreicht man nicht viel. Auch um uns hat er sich rührend gekümmert, so dass unsere Zeit auf Borneo äußerst angenehm war.

cicananga_2

In Balikpapan konnten wir die Auswirkungen der radikalen Regenwaldabholzung schon spüren. Die Stadt hat nicht mehr genügend Wasser. Der Grundwasserspeicher Regenwald ist weitestgehend ausgelöscht. So dass die Menschen in ihren Häusern an vielen Tagen kein Wasser zu Verfügung haben. An unserem Ankunftstag erzählte uns Ishak er hat seit 4 Tage hintereinander kein Wasser in seinem Haus. Unvorstellbar für uns. Und noch ein Problem konnten wir in Balikpapan sehr deutlich sehen. Am Strand lag unglaublich viel Müll herum, er wird vom Meer angespült und keiner räumt ihn weg.

balikpapan

Wehea
Wir übernachteten in Balikpapan und nach diversen Einkäufen ging es mit dem Auto Richtung Norden. Wir waren 12 Stunden mit Pausen unterwegs. Wir sind nur durch Ölpalmenplantagen und Kohletagebau gefahren. Der Kohletagebau zerstört neben dem Palmölanbau massiv die Natur. Ist die Kohle abgebaut, verbleibt eine vergiftete, völlig zerstörte Landschaft. Die verheerenden Brände vom letzten Herbst waren noch deutlich zu erkennen.

kohle

Gegen 22 Uhr sind wir im Dayak-Dorf Wehea angekommen und waren Gäste im Haus des Dayakhäuptlings, einem sehr würdevollen Mann. Die Dayaks sind Ureinwohner Borneos. Wir informierten uns über die Situation des Waldes. Die Dayaks sind sehr besorgt. Unser Gastgeber nahm sogar die lange Reise nach Paris zur Klimakonferenz auf sich. Leider weiß ich nicht, ob und wie zufrieden er mit den Ergebnissen ist.

38.000 Hektar Primärregenwald sind geschützt und werden durch Ranger bewacht. Für alle anderen Waldgebiete sind schon Konzessionen zum abholzen vergeben. Ein winziger Rest Regenwald wird wahrscheinlich übrig bleiben, ob das reichen wird, um die darin lebenden Tiere vorm Aussterben zu bewahren, werden wir erleben. Auf jeden Fall wird der genetische Pool der Tiere sehr klein werden. Fakt ist, sterben die Tiere aus, wird auch der Wald sterben. Im Yellowstone-NP wurden vor 50 Jahren die Wölfe ausgerottet und jetzt stirbt als Folge davon der Wald. So wird es dem Regenwald vielleicht auch ergehen. Sicher, den Wald kann man wieder aufforsten, aber die Tiere lassen sich nicht wieder aufforsten. Das dürfte endgültig sein.

palmoil wehea

Wir schliefen im Haus des Dayakhäuptlings. 6 Uhr morgens wurden wir durch das Krähen der Hähne geweckt und wir beobachteten, wie das Dorf erwachte und das Tagwerk begann. Nach dem Mittagessen ging es mit einem Geländewagen los Richtung Wald. Erst fuhren wir ca. 1 Stunde lang wieder an Ölpalmenplantagen vorbei. An der Ölpalme selbst ist nichts schlechtes. Es ist eine wunderschöne Palme, die natürlicherweise ab und zu im Regenwald vorkommt. Schlimm ist die Radikalität mit der der gesamte Regenwald in Plantagen umgewandelt wird und allen Tieren die Lebensgrundlage genommen wird.

Eine weitere Stunde fuhren wir an frisch abgebrannten und gerodeten Flächen vorbei bis wir endlich im Wald ankamen. Es ist durch Bilder und Filme nicht auszudrücken, was man empfindet, wenn man diesen zerstörten Wald ansehen muss. Es ist so unglaublich traurig. Früher lag das Dorf Wehea direkt im Wald und jetzt muss man 80km dorthin fahren. Auf dem Weg zum Camp kamen uns mehrfach großen LKW’s entgegen, die vollgeladen mit Holzstämmen waren. Wir wohnten 2 Nächte in einem Camp, was Forschern und den Rangern, die auf den Wald aufpassen, als Unterkunft dient. Die Überraschung im Wald war Anna. Eine junge Deutsche, geb. in Bielefeld, wohnt in Hamburg mit Schwiegereltern in spe in Hannover. Dazu muss man wissen, wir wohnen auch in Hannover. Sie startete eine 6-monatige Reise durch Asien als Volunteer. Wer Lust hat, es Anna gleich zu tun, ffn vermittelt gern Volunteers. Die Volunteergebühren werden zu 100% in den Projekten verwendet. Anna ist mit den Rangern in den Wald gegangen und das haben wir auch gemacht. Der Wald war wunderschön, die riesigen Bäume am beeindruckendsten. Nur leider haben wir nicht viele Tiere gesehen, sind es schon weniger geworden?

abholzung

Nachts sind wir durch den Bach gelaufen und die Ranger haben uns Frösche, Spinnen und Tarantulas gezeigt. Bekocht wurden wir von der Tochter des Dayak-Häuptlings, die mit ihrer 3-jährigen Tochter mit uns in den Wald gekommen ist. Dieses 3-jährige Kind hatte kein Spielzeug, sie beschäftigte sich mit sich selbst oder half ihrer Mutter beim kochen. Selbst die Autofahrten vergingen ohne die geringste Unmutsäußerung. Ich habe noch nie ein so zufriedenes Kind erlebt, das hat mich sehr beeindruckt. Begeistert waren wir auch von den jungen Rangern, sie waren wie alle Indonesier, die wir kennenlernten unglaublich freundlich. Und mit was für einer Freude sie uns durch ihren Wald geführt haben, das war einfach toll. Es hat uns großen Spaß gemacht, mit ihnen Zeit zu verbringen. Die Zeit im Wald verging leider viel zu schnell. Wir sind die gesamte Strecke nach Balikpapan zurückgefahren und haben von da aus Tagesausflüge gemacht.

spinnebaum2 baum

Sungai Hitam
Auf dem Weg nach Sungai Hitam machten wir bei km 23 einen Zwischenstopp. Dort befindet sich eine Auffangstation für Malaienbären und um 140 eingesammelte Straßenkatzen wird sich auch noch gekümmert. Ein schönes Zuhause für die Tiere, in einem tropisch bewachsenen Gehege, wo auch unzählige Vögel und Eichhörnchen eine Heimat haben. Es war eigentlich an dem Tag geschlossen. Dank Ishak konnten wir die Tiere dennoch ansehen.

malaienbaer

Weiter ging es nach Sungai Hitam. Ein kleines Gebiet nördlich von Balikpapan am Black River, wo ffn Land gekauft und Bäume gepflanzt hat, damit die von uns sehr geliebten, vom Aussterben bedrohten Nasenaffen eine Heimat haben. Und mit ihnen noch viele weitere Tierarten auch. Während einer Bootsfahrt auf dem Fluss sahen wir die Nasenaffen dann auch und konnten ihnen beim fressen und springen zuschauen. Dieses Projekt hat uns richtig Spaß gemacht. Geplant ist das geschützte Gebiet durch weiteren Landkauf zu erweitern, damit mehr Tiere überleben können.

nasenaffe_2

Satriyo, der Manager von Sungai Hitam, sagte mir, es ist wichtig die Natur zu schützen für die nächsten Generationen. Was für ein hoffnungsvoller Satz! Außerdem leben in diesem geschützten Gebiet noch unzählige andere Tiere, die er gern fotografiert und die Fotos zeigte er uns mit Stolz.

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Bukit Bangkirai
Unser letzter Ausflug führte uns nach Bukit Bangkirai. Wir wurden von unserem Fahrer Hendra zu Ishak ins Büro gebracht. Dort trafen wir auf Satriyo den Manager von Sungai Hitam. Gemeinsam fuhren wir nach Bukit Bangkirai, das ist ein Ausflugsziel in einem Waldgebiet. Im Wald erklärte uns Satriyo mit Begeisterung jeden Baum. Dann ging es hoch hinaus auf Hängebrücken in ca. 25 m Höhe und wir haben von oben auf den Wald geschaut. So ein Perspektivenwechsel ist immer ein tolle Sache. Zwei Giant Squirrel konnten wir beim fressen in den Baumwipfeln beobachten. Mit schönen Stunden im Wald neigte sich unsere Reise dem Ende entgegen.

giantsquirrel

Noch nicht erwähnt hatte ich, dass wir in Jakarta noch kurz bei JAAN www.jakartaanimalaid.com waren. Auch das ist eine Tierorganisation, die von 3 engagierten jungen holländischen Frauen gegründet wurde, die mittlerweile sehr geachtet werden als Tierschützerinnen in Indonesien. Bei JAAN wurden wir von 55 bellenden Hunden begrüßt, die auf der Straße eingesammelt worden und wenn sie wieder gesund sind auch adoptiert werden können.
Damit kein falscher Eindruck entsteht, das war kein trauriger Urlaub. Unsere kleine Reisegruppe hatte sehr viel Spaß zusammen. Unser Versuch indonesische Wörter zu lernen endete meistens mit einem Lachanfall von Hendra und Ishak. Auch wenn wir uns keine normalen Touristenattraktionen angeschaut haben, lernten wir Indonesien auf eine sehr schöne Art kennen. Wir haben nette, interessante und engagierte Menschen kennengelernt. Wir haben unglaublich viel gegessen. Das indonesische Essen ist so vielseitig und lecker, wir haben Früchte probiert, an die wir uns allein nicht ran getraut hätten. Wir vermissen es jetzt schon. Und Puppy, den kleinen Hund in Cikananga vermisse ich auch, hätte ich ihn doch mitgenommen. Wir haben hoffnungsvolle Dinge gesehen, aber auch nicht so schöne Dinge. In den letzten 40 Jahren haben wir über die Hälfte aller wilden Tiere verloren. Es sterben 1000 mal mehr Arten aus, als natürlicherweise vorgesehen ist. Das Leben ist ein Netz, jeder Faden ist wichtig. Keiner kann heute sagen was passiert, wenn die Bienen ausgerottet sind. Es scheint mir selbstmörderischer Wahnsinn zu sein.

Wenn du glaubst, dass du zu klein bist etwas zu verändern…. Versuch‘ mal mit einer Mücke im Zimmer zu schlafen. – Dalai Lama

Also packen wir es an, es geht nicht nur um Indonesien, auch wir hier in Europa brauchen den Regenwald für die Erhaltung unseres Klimas. Ich ziehe meinen Hut vor Menschen wie Helmut Huber, er gründete vor vielen Jahren nach einer Reise durch Borneo den Verein Fansfornature und kümmert sich seitdem in seiner Freizeit darum. Aber auch Ishak Yassir verwendet seine Freizeit für den Naturschutz, lasst es uns ihnen gleich tun.

Vielleicht sehen wir uns demnächst im Regenwald. Eins kann ich versprechen, es wird toll werden. Die Gummistiefel nicht vergessen!

PS.: Liebe indonesische Moskitos, beim nächsten Mal erwischt ihr mich nicht!